Bericht 54. Landeswaldbauerntag 14.11.2019

Beitrag, 15. November 2019

Der zweite Donnerstag im November steht jedes Jahr ganz im Zeichen der Waldbesitzer! Am 14.11.2019 fand traditionsgemäß in der Kürnberghalle in Leonding der 54. Landeswaldbauerntag statt. Der Waldverband OÖ (BWV OÖ) durfte sich bei seiner ordentlichen Vollversammlung über reges Mitgliederinteresse freuen. Geschätzte 1.000 Mitglieder, Funktionäre, Waldhelfer und Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer OÖ sowie eine Vielzahl von Sägewerkskunden und forstlichen Ehrengästen sind der Einladung des Waldverbandes zu diesem forstlichen Branchentreff auch in diesem Jahr gefolgt.

Erstmals in seiner neuen Funktion als Kammerdirektor der LK OÖ eröffnete Mag. Karl Dietachmair den diesjährigen Landeswaldbauerntag und betonte in seiner Ansprache die durch Borkenkäfer, Sturm und Schneebruchschäden äußerst kritische Situation für die heimischen Waldbauern. Mag. Karl Dietachmair berichtete erfreut, dass mit der neuen Bezirksbauernkammer in Hagenberg das bereits dritte Kammergebäude in Holzbauweise realisiert werden konnte.

Geschäftsführer DI (FH) Andreas Hofbauer präsentierte den anwesenden Mitgliedern in seinem Geschäftsbericht einen sehr detaillierten Überblick über das schwierige und turbulente Geschäftsjahr. Dem Geschäftsbericht konnte man entnehmen, dass die Marke von 30.000 Mitgliedern überschritten wurde und die diesjährige Vermarktungsmenge des BWV OÖ wieder die magische Schwelle von 1.000.000 Festmeter überschreiten wird. Aufgrund von Borkenkäfer und sonstigem Schadholzanfall ist die Liefermenge im 3 Quartal 2019, verglichen mit dem „letzten“ Normalnutzungsjahr 2014 um das 8,5-fache angestiegen. Diese enormen Holzmengen konnten auch durch die Entwicklung von Zwischenlagerkonzepten bewältigt werden. So wurden beispielsweise ca. 70.000 Festmeter – das entspricht einer normalen Monatsliefermenge – in Nass- und Trockenlagern zwischengelagert. Beherrschendes Thema war auch der mit der Holzflut einhergegangene Holzpreisverfall und das Unverständnis der Waldbesitzer für die derzeit vorherrschende Preisschere zwischen Süd- und Nordösterreich.

Landesrat Max Hiegelsberger bedankte sich in seinen Grußworten sowohl beim BWV OÖ, der Forstberatung der Landwirtschaftskammer OÖ, dem Landesforstdienst, der heimischen Sägeindustrie und auch bei den anwesenden Waldbesitzern für deren Engagement und Einsatz in den vergangenen Monaten.

Der Appell des Obmannes des Waldverbandes Österreichs ÖR Rudolf Rosenstatter an die anwesenden Waldbesitzer lautete, auch in diesen schwierigen Zeiten nicht den Mut und die Freude an der Waldbewirtschaftung zu verlieren! In Richtung der Jugend verkündete er: „Wir sind die erste Generation, welche die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommt, aber auch die letzte Generation, die noch etwas dagegen unternehmen kann!“

„Waldbaukonzepte der Zukunft – welchen Anteil nimmt Nadelholz dabei ein?“ titelt der Fachvortrag von Dipl. – Biol. Dr. Silvio Schüler, vom BFW, Leiter für Waldwachstum und Waldbau. Dr. Schüler zeigte in seinem Vortrag anhand von Klimamodellen die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere heimischen Nadelwälder auf. Im Gegensatz dazu ist der Bedarf an Nadelholz auch aufgrund des technischen Fortschrittes und des Holzbaubooms anhaltend groß bzw. tendenziell sogar steigend. Es wird die zukünftige Aufgabe sein, diese beiden Entwicklungen bestmöglich in Einklang zu bringen. Weiters wies er auf den auch durch den Zwischenbericht der ÖWI belegten immer noch sehr hohen Holzvorrat im Kleinwald bis 200 ha hin, welcher ein latentes Risiko bei Katastrophen darstellt. Hier brauchen wir individuell auf die Waldbesitzer abgestimmte Bewirtschaftungsmodelle, damit wir dieses Risiko entsprechend minimieren können.

Der zweite Fachvortrag befasste sich mit dem Thema „Erfolgsfaktoren für einen klimastabilen Wald“. DI Bernhard Bielmeier, Waldbesitzer im bayerischen Wald und Geschäftsführer der Forstlichen Vereinigung Niederbayern schilderte sehr eindrücklich seine persönlichen Erfahrungen aus den letzten 20 Jahren. Zusammengefasst kann man die Erfolgsfaktoren zur Erreichung eines klimafitten Waldes in 3 verschiedene Bereiche gliedern. Man benötigt zum Ersten eine gute Bestandserschließung. „Niemand würde ein Haus ohne Türen bauen.“ Ein zweiter wichtiger Faktor ist eine waldgerechte Jagd. „Sägen und Schießen“ lautete hier die klare Botschaft. Nicht zuletzt ist auch eine aktive Waldbewirtschaftung unumgänglich. Um einen „klimafitten Wald“ zu erhalten, benötigen wir zu allererst einen „klimafitten Waldbesitzer“!

Den Abschluss dieses interessanten forstlichen Vormittages bildete die mittlerweile altbewährte Verlosung von Sachpreisen im Wert von insgesamt rund EUR 3.000,-. Der Hauptpreis – eine Husqvarna 545 Mark II Profi Motorsäge - wurde von der Firma SILVANUS in Kooperation mit der Fa. Husqvarna zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle bedankt sich der BWV OÖ ganz herzlich bei allen Firmen, welche uns mit zahlreichen Sachpreisen auch heuer wieder kräftig unterstützt haben. 

Der BWV OÖ konnte sich mit seinen rund 1.000 anwesenden Gästen über einen gelungenen Landeswaldbauerntag freuen. „Nach einem sehr schwierigen und arbeitsintensiven Jahr freut mich besonders der große Andrang und die trotz der schwierigen Situation durchaus sehr gute Stimmung an diesem forstlichen Branchentag.“ resümiert Obmann LKR Franz Kepplinger.

 

Nachfolgend können Sie die Präsentationen der beiden Fachvorträge downloaden.

Dr. Silvio Schüler  WALDBAUKONZEPTE DER ZUKUNFT - WELCHEN ANTEIL NIMMT NADELHOLZ DABEI EIN?

DI Bernhard Bielmeier  ERFOLGSFAKTOREN FÜR EINEN "KLIMASTABILEN" WALDBESTAND