Geopolitische Lage belastet Holzmarkt – BWV-Holz­markt­bericht vom 20.04.2026

Beitrag, 20. April 2026

Die Marktsituation sowohl für Schnitt- als auch für Rundholz wird sukzessive ungewisser! In den Wäldern beginnt mit April die „Borkenkäfersaison“, daher gehören ab jetzt regelmäßig die Waldflächen kontrolliert! 

Nachdem im Herbst die Holzproduktion sehr verhalten war und die Preise mit Anfang Dezember nochmal deutlich stiegen, hat sich der Großteil der Schlägerungsaktivitäten auf die ersten Monate in diesem Jahr konzentriert. Dies führte teilweise zu einer Überlastung der Abfuhr und der Holzübernahme. Seitens des Waldverbandes konnten wir im ersten Quartal 2026 dennoch die größte je in einem Quartal abgewickelte Vermarktungsmenge erreichen.

Nahost-Krise verändert Märkte!

Aufgrund der Kriegssituation im Nahen Osten hat sich die Marktlage deutlich verändert. Der Schnittholzabsatz kommt in der gesamten Nahost-Region weitgehend zum Erliegen und dies stellt insbesondere die europäische Holzindustrie vor große Herausforderungen, da die MENA-Region (Middle East and North Africa) normalerweise der wichtigste Überseemarkt für europäisches Nadelschnittholz ist.

Aufgrund dessen planen einige Sägewerke den Einschnitt in den nächsten Wochen zu reduzieren. Dies hat zur Folge, dass aufgrund der aktuell hohen Rundholz-Werkslager die Zufuhrmengen kontingentiert werden müssen und sich die Holzabfuhr weiter reduziert. Angesichts dieser veränderten Marktsituation ist es nun prioritär, die bereits produzierten Waldlager möglichst rasch abzutransportieren und die Holzproduktion abzuschließen. Weitere geplante Holznutzungen sollten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Die Situation kann sich jedoch rasch wieder verbessern, da – sofern Kalamitätsholz ausbleibt – bereits ab Juni erneut eine Angebotsverknappung erwartet wird und zudem zu hoffen ist, dass sich die geopolitische Lage entspannt.

Die Sägerundholz-Preise bei neu abgeschlossenen Verträgen sind rückläufig. Das Preisband für Lieferungen im April liegt zwischen 124,00 und 130,00 Euro netto pro Festmeter (Fichte, Stärkeklasse 2a, BC-Qualität). Für Lieferungen ab Mai kann derzeit noch keine Preisaussicht gegeben werden.

Die rege Nachfrage nach Industrieholz hält an. Die Industrieholzpreise liegen derzeit bei 90,00 bis 100,00 Euro netto pro Atro-Tonne. Für frisches Nadelfaserholz werden zusätzlich Preisanreize angeboten. Daher wird eine gezielte Ausformung von Industrieholzsortimenten empfohlen, da dadurch der Anteil an Energieholz reduziert werden kann und gleichzeitig die Absatzflexibilität erhalten bleibt.

Käferrisiko nicht unterschätzen!

Die Dauer und die Dynamik der Entwicklung des Borkenkäfers sind maßgeblich von der Temperatur abhängig. Weitere wesentliche Einflussfaktoren für die Käferausbreitung sind die Vitalität der Bäume und das rechtzeitige Entfernen von brutfähigem Material aus dem Wald. Diese Faktoren haben Waldbesitzer:innen durch aktive und sorgfältige Bewirtschaftung selbst in der Hand.

Das Frühjahr ist für die Käferausbreitung meist die entscheidende Jahreszeit. Denn aus einem im Frühjahr übersehenen Käferbaum, wobei es sich oft um einen vorgeschädigten Baum handelt, können bis zum Herbst 1.000 weitere Käferbäume entstehen. Aufgrund dieses extremen Vermehrungspotentials des Borkenkäfers ist es von großer Bedeutung, dass kein brutfähiges Rundholz im Wald zurückbleibt. Denn jeder im Frühjahr übersehene vorgeschädigte Einzelbaum kann die Brutquelle für die nächste Käferkalamität sein!

Daher gilt es, jetzt im Frühjahr nochmals die gesamte Waldfläche zu kontrollieren, ob kein brutfähiges Rundholz übersehen wurde und zugleich kann bereits die erste Suche nach eingebohrten Borkenkäfern (Bohrmehlsuche) am stehenden Stamm durchgeführt werden. Nur durch regelmäßige Kontrollen und das rasche Aufarbeiten von vorgeschädigten oder bereits befallenen Bäumen in der gesamten Vegetationszeit kann eine Käferausbreitung verhindert werden.

Die rasche Vermarktung von Rundholz ist speziell in der Vegetationszeit entscheidend. Wir werden unser Bestes tun, um dies auch in den nächsten Monaten zu ermöglichen. Dazu ist vor der Schlägerung die rechtzeitige Abstimmung mit dem Waldhelfer notwendig. Dadurch können dringende Schadholznutzungen rascher abgewickelt werden und geplante Normalnutzungen für eine passende Marktlage vorgemerkt werden.

Diesen Artikel finden Sie auch als Holzmarktbericht in Ausgabe 02/2026 der Verbandszeitung „Waldverband aktuell“.

Die nächste Information erscheint am 04. Mai 2026.
Waldverband OÖ